Rem Koolhaas spricht darüber, wieso er Städte satt hat, was ihn an der Präzisionslandwirtschaft fasziniert und warum die Serverfarmen in der Wüste von Nevada ihn mit Ehrfurcht erfüllen.
• Der Architekt Rem Koolhaas hat sich sein Leben lang an Städten abgearbeitet. Er hat sie gefeiert und verdammt, hat in einigen der berühmtesten Metropolen der Welt gelebt (New York, London, Jakarta, Amsterdam) und gebaut (Peking, Seoul, Porto, Dallas). Aber seit einiger Zeit interessiert er sich vor allem für die Provinz.
Derzeit plant er eine große Ausstellung im Guggenheim Museum in New York mit dem Titel „Countryside: The Future of the World“. Was nicht heißt, dass er der Stadt selbst den Rücken gekehrt hätte: Koolhaas lebt in Amsterdam und hat sein Architektenbüro in Rotterdam. Er sagt von sich selbst, er halte es nicht aus, dort zu leben, wo er arbeite. Morgens holt ihn ein Fahrer ab und bringt ihn zu seinem 75 Kilometer entfernten Arbeitsplatz.
Das Interview findet auf diesem Weg statt, auf der Rückbank einer Limousine. Während der Fahrt, die durch die nieder- ländische Provinz Südholland führt, ziehen flache Felder und riesige Gewächshäuser vorbei, in denen UV-Lampen orangefarben leuchten.
brand eins: 1978 haben Sie New York als „süchtig machende Maschine“ bezeichnet. Generell haben Sie die Anonymität der Stadt gefeiert und die Freiheit, die mit ihr verbunden ist. Nun scheint es so, als hätten Sie die Stadt satt?
Rem Koolhaas: Ja, habe ich. Es gab früher etwas an Städten, das genuin herausfordernd war, individualistisch. Das ist nicht ganz verschwunden, aber früher waren Städte weniger an die Anforderungen der Märkte angepasst. In London und New York haben Marktmechanismen derart Überhand genommen – auf Kosten von so gut wie allem anderen –, dass ich einfach nicht mehr die gleiche Begeisterung für sie empfinde wie früher.
„Ich fühle einfach eine leichte Enttäuschung, dass der universelle ästhetische Konsens der Menschheit auf Beige hinausläuft.“