Annegret Kramp-Karrenbauer nennt sich selbst eine Quotenfrau, die es nur damit so weit gebracht habe. Man hätte es wissen können. Quoten werden immer beliebter - bald auch für Migranten.
Nicht nur die Neuen Deutschen Organisationen (NDO) halten sie für unumgänglich: Migrantenquoten. Parteien, Behörden, Wohlfahrtsverbände und viele andere Bereiche seien 2020 immer noch überproportional „weiß“, heißt es im NDO-„Manifest für ein plurales, postmigrantisches Deutschland“, „die Gleichstellung aller Menschen im Land muss Priorität bekommen und auf gesetzliche Grundlage gestellt werden (Partizipationsgesetz). Wir brauchen außerdem eine Quote für People of Color und Schwarze Menschen, denn freiwillig funktioniert es offenbar nicht.“
„Minderheiten müssen in politische Räume reinströmen“
Auch die Grünen-Politikerin Aminata Touré erklärte in der „Welt“: „Ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat eine Migrationsgeschichte. Die sind in unserer Politik und an anderen entscheidenden Stellen definitiv nicht ausreichend vertreten. Über die Gruppe der schwarzen Menschen hinaus müssen Minderheiten in politische Räume reinströmen und dort repräsentiert werden, weil dort die Entscheidungen getroffen werden. Wenn wir dort nicht vertreten sind, werden keine Veränderungen für unsere alltäglichen Leben stattfinden.“ Bei den jüngsten #blacklivesmatter-Demonstrationen wurden ebenfalls vereinzelt, um „Rassismus“ entgegenzutreten, ethnische Quoten in allen Bereichen der Gesellschaft verlangt, so von der Moderatorin Enissa Amani. „Was ich möchte ist, dass black POCs, POCs, BIPOCs überall in den CEO-Etagen vertreten sind. Oben!“
Keine Frage, Migrantenquoten, Kontingente nach biologischen, sozio-demografischen Merkmalen überhaupt, sind gerade in der derzeit überhitzten Diskussion um „Rassismus“ ein heißes Thema, auch in der einschlägigen Wissenschaft. In der im Frühjahr 2019 veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung „Ost-Migrantische Analogien“ stimmte ein „unerwartet großer Teil“ der Bevölkerung für Quoten. Die Frage, ob es Quoten geben sollte, „damit Migranten entsprechend ihres Anteils [gemeint wohl: an der Bevölkerung] in wichtigen Positionen vertreten sind“, bejahte ein knappes Drittel der Befragten.
Nicht nur hier fällt auf, dass bei einer Thematisierung einer fairen Repräsentation von Migranten bevorzugt „wichtige Positionen“ bzw. schwere Chefsessel in den Blick genommen werden, während „Vielfalt“ im Mittel- und Unterbau der Gesellschaft weniger Aufmerksamkeit findet.