22
Do, Aug
11 New Articles

TAPOLS - Die Toten des kalten Krieges

Kampanye di Inggris, Tapol Desak SBY Minta Maaf Pembantaian 1965

Asien
Typography
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Erstveröffentlichung auf VOLLDRAHT 10.09.2016 Die weltweit geführten Kriege sind in vielen Fällen, ein Ergebnis der geopolitischen Strategien der USA. Eins der brutalsten Massaker, mit bis zu 3,5 Millionen Toten wurde 1965 in Indonesien initiiert.

»Tapols« (indonesisches Kürzel für politische Gefangene)

"Im Dunkeln liegen bis heute die genaueren Umstände des rechten Gegenputsches, den Suhartos Schergen „Saison der Hackmesser“ tauften. Unzweideutig ist im Rückblick hingegen die geopolitische Konstellation: Die Westmächte standen unter dem ideologischen Verblendungszusammenhang namens „Domino-Theorie“ und schauten tatenlos bis zustimmend zu. Insbesondere den USA war an einem mindestens „blockfreien“ Indonesien gelegen. Suharto dankte es ihnen bekanntlich später in Vietnam und Osttimor." [1] Es ist offensichtlich, das dem US-Imperium in seinem Bestreben, die Ressourcen anderer Länder sich anzueignen, keinerlei Hemmungen hat, das Völkerrecht und die Menschenrechte im Blut der Opfer zu ertränken. Dieser Artikel soll als Erinnerung dazu beitragen, daß die Nr. 1 der brutalsten Terrorstaaten, die USA, sich in unserem Land als Freund tarnt, unsere Gesellschaft manipuliert, destabilisiert und ausbeutet. Es sollte uns eine Warnung sein.

Indonesien 1965
Nach der Niederschlagung eines Putschversuchs linksnationaler Offiziere holen rechte Militärs zu einem Gegenschlag aus, in dessen Verlauf hunderttausende Kommunisten und Nationalisten getötet und Millionen als »Tapols« (indonesisches Kürzel für politische Gefangene) eingekerkert werden. Deren Diskriminierung dauert bis heute an.

Der Berliner Fernsehkorrespondent Ulrich Makosch war gerade 14 Tage in Indonesien, als er am 30. September 1965 bei Dreharbeiten für das DDR-Fernsehen am Zentralstadion von Jakarta Armee- Einheiten beobachtete, die offenbar für eine größere Aktion zusammengezogen wurden. Am Tag danach des Rätsels Lösung: Eine bis dahin unbekannte »Bewegung des 30. September« hatte unter Führung von Oberstleutnant Untung, Chef eines Bataillons der 25 000 Mann starken Leibwache von Präsident Sukarno, sechs Armeegeneräle verhaftet und die Bildung eines Revolutionsrates bekannt gegeben. Untung war aus Makoschs Sicht »ein national gesinnter Offizier, der nicht der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) angehörte und seinem Präsidenten treu ergeben war«. Nach eigenen Worten wollten er und seine Mitverschworenen aus Luftwaffe und Marine mit ihrer Aktion einem Putsch rechter Generäle gegen Sukarno zuvorkommen.

Eine Gruppe von Heeresoffizieren unter Führung General Suhartos hatte mit ihrem schnell eingeleiteten Gegenputsch relativ leichtes Spiel. Die dilettantisch organisierte Untung-Aktion brach rasch zusammen. Suharto und seine Leute begannen mit äußerster Brutalität, die damalige politische Kräftekonstellation in Indonesien – ein Machtdreieck aus Nationalisten, Kommunisten und Armee – zu ihren Gunsten zu verschieben. Innerhalb kurzer Zeit war der eigentliche Staatsstreich perfekt: Suharto usurpierte den Präsidentensessel und zerschlug die damals mit 3,5 Millionen Mitgliedern drittstärkste KP der Welt.

Ablauf und Hintergründe dieser dramatischen Ereignisse geben bis heute viele Rätsel auf. Makosch glaubt wie andere Beobachter, dass die »Bewegung des 30. September« durchaus aus lauteren Motiven handelte, unklar bleibt allerdings, wer sonst noch seine Hände im Spiel hatte. Der ehemalige Luftwaffenchef Omar Dani, von Suharto 30 Jahre lang gefangen gehalten, ist davon überzeuzeugt, dass die CIA eine maßgebliche Rolle spielte. Auch die Briten, enthüllte der Dokumentarfilm »Shadow Play« des Australiers Chris Hilton, mischten mit. »Ein verfrühter Staatsstreich der PKI wäre die beste Lösung für uns – vorausgesetzt, er scheitert«, hieß es schon im Dezember 1964 in einem Dokument des Londoner Außenministeriums. " [2]

"Nach der offiziellen Version der späteren Machthaber um Suharto war die PKI und mit ihr verbundene Massenorganisationen für diesen Putschversuch vom 1. Oktober verantwortlich. Diese Interpretation steckt allerdings voller Widersprüche (Roosa 2006). Die mittleren Offiziere um Untung waren keine Kommunisten und vertraten auch keine Ziele, die sie als enge Sympathisanten ausgewiesen hätten. Außerdem war die PKI, eine insgesamt sehr gut organisierte Partei, in den Wochen nach dem Putsch selbst offensichtlich vollkommen unvorbereitet auf die dann folgenden Ereignisse. Eine andere Interpretation, die zunächst nur als vorläufige Version unter Wissenschaftlern kursierte, dann aber schnell den Weg in eine breitere Öffentlichkeit fand, war das sogenannte Cornell-Paper (Anderson und McVey 1971), wonach der Putschversuch auf armeeinterne Konflikte zurückzuführen war. Geht man davon aus, dass Generalmajor Suharto selbst die Strippen gezogen hat, ist der Putschversuch in Wirklichkeit ein geglückter, sehr raffiniert inszenierter Vorwand für den eigentlichen Putsch gewesen, für den die Gestapu-Offiziere nur das Feld bereiteten.

Andere Interpretationen betonen die mögliche Rolle Sukarnos oder den Einfluss ausländischer Mächte, insbesondere der US-Amerikaner und Briten (Simpson 2008). Im „Westen“ reagierte man damals in
der Regel mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit gegenüber den folgenden Massakern und Erleichterung über die Eindämmung einer großen kommunistischen Partei."[3]

"Indonesien ist demnächst Gastland der Frankfurter Buchmesse. Da kann es nicht schaden, zu sehen, wie die Vergangenheit des asiatischen Inselstaats bis in die Demokratie von heute andauert. „The Look of Silence“ [4]ist ein ebenso erschütternder, ungeheuerlicher Film wie „The Act of Killing“ [5], Joshua Oppenheimers erste Indonesien-Dokumentation über den Genozid 1965/66 nach Suhartos Militärputsch, dem vermutlich eine Million Menschen zum Opfer fielen. Eine Million Menschen, die dem neuen Regime nicht passten und meist willkürlich als Kommunisten denunziert wurden. Ramli war einer von ihnen. Keiner aus seiner Familie war je Mitglied der KP.[6]

Quellen
[1] http://www.taz.de/!5055049/
[2] http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Indonesien/1965-massaker.html
[3] https://www.giga-hamburg.de/de/system/files/publications/gf_asien_1403.pdf
[4] http://www.neuer-weg.com/Thema/Indonesien
[5] http://www.neuer-weg.com/Thema/Indonesien
[6] http://www.tagesspiegel.de/kultur/indonesien-doku-the-look-of-silence-die-moerder-sind-neben-uns/12390660.html
[8] Bildmaterial abc.co.uk