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Steve Bannon – in Eigenregie oder im Auftrag unterwegs?

Amerika
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Ich möchte in einer interessanten Zeit leben, soll jemand einmal gesagt haben. Nun denn, wir sind so weit. Die Ungewissheit des Tages, für die überwiegende Mehrheit ein Dauerbrenner.

Abseits davon einige wenige, die Gott gleichen wollen, in deren Tagträumen unendlicher Macht und Herrlichkeit keine Grenzen gesetzt sind. Die Mehrheit hat aber – auch in Amerika – andere Träume. Lange Zeit schien uns ein Land wie die Vereinigten Staaten ja tatsächlich so etwas wie eines der unbegrenzten Möglichkeiten, auch für den kleinen Tellerwäscher.

Doch immer weniger US-Bürger konnten daran noch glauben. Man begnügte sich bald mit dem, was in Reichweite ist. Dann aber kam jener Donald Trump und wusste die imaginären Erwartungen von Millionen Frustrierten und Verlierern für sich (oder wen immer) zu bündeln. Wie lange noch, bleibt eine spannende Frage, wo doch die Demokraten gerade dabei sind, sich neu zu erfinden, was der europäischen Linken, besonders der deutschen, gar nicht gelingen will.

Vorerst sind also die Rechten im Vorteil. In den USA mit Trump als Frontmann. Sehr wesentlich unterstützte den Immobilien-Spekulanten dabei ein Mann, der nach getaner Arbeit, sich nicht ganz ohne Groll aus dem Weißen Haus verabschieden musste, ging er die Sache doch etwas zu forsch an. Inzwischen hat sich Steve Bannon bei Trump entschuldigt, könnte aber, wie der ehemalige Berater von Bush, Karl Rove, glaubt, in den USA zumindest derzeit politisch erledigt sein.

Mag stimmen oder auch nicht, der „Gescheiterte“ hat längst ein anderes Jagd-Revier für sich entdeckt. Noch bevor sein Auftritt in Europa medienwirksam erfolgte, hatte derselbe Gespräche mit einigen Persönlichkeiten des rechten Lagers geführt. Eine frühe Bemerkung des Italieners Salvini, der ein Bündnis rechtspopulistischer und rechtsnationaler Parteien in den Raum stellte, ließ erahnen, dass da etwas im Laufen sei. Inzwischen dürfte auch Alice Weidel von der AfD, wie Bannon mit Goldman Sachs-Erfahrung, eine Ahnung darüber haben, wie der neue Heilsbringer tickt.

Nun hat Bannon die Katze also ganz offiziell aus dem Sack gelassen: Er wolle eine europäische Bewegung (The Movement) gründen und damit eine Revolte vor den Wahlen zum Europaparlament auslösen, heißt es. Eine rechtspopulistische „Supergruppe“ soll es werden. Man ahnte es schon: es soll ein Gegengewicht zu Georg Soros´ gesellschafts- und geopolitischem Unternehmen werden. Nun soll daher den nationalen Rechten die nötige Unterstützung bei Kampagnen und der Organisationsarbeit gegeben werden.

Es sollen darüberhinaus die politischen Ziele aller EU-Skeptiker zusammengeführt und gefördert werden. Um das voranzubringen, soll in Brüssel eine eigene mit etlichen Millionen ausgestattete Stiftung etabliert werden. Langfristiges politisches Ziel: eine Rückkehr zu Nationen mit starken Grenzen. Nationale Sicherheit, Abbau des Verwaltungsstaats und wirtschaftlicher Nationalismus werden wohl wie schon in den USA auch in der europäischen Kampagne im Vordergrund stehen.

Bannon also als „Mastermind“ einer rechtskonservativen „Revolution“ nach Vorstellungen der „Alt right“ (Alternative Rechte) in den USA? Dass deren Vorstellungen konträr zu jenen gewisser Hintergrundmächte sind, die den demographischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch des Westens geplant haben sollen, um eine neue Weltordnung zu etablieren, ist bekannt. Insofern gibt es also Berührungspunkte mit rechten Ängsten und rechtspopulistischen Bemühungen in Europa.

Zwar ist nicht bekannt, woher das viele Geld für eine Stiftung kommen soll (und zu welchen Bedingungen), bekannt ist aber, dass, wie uns schon Tocqueville berichtete, die Verhältnisse in Europa, doch etwas anders sind als in den USA und das Unternehmen des „Kriegers“ Bannon daher doch etwas schwieriger werden könnte. Auch deshalb, da besonders hinsichtlich der in mancher Beziehung sehr unterschiedlich ausgestatteten Teilnehmer an diesem Unternehmen, die Gemengelage diesbezüglich eine äußerst problematische ist.

Bei dem ganzen Unternehmen fehlt außerdem noch einiges, zum Beispiel ein mehrheitsfähiges revolutionäres gesellschaftpolitisches Programm. Ob der verlässlichste gemeinsame Nenner, die Abwehr des Islam, ein dauerhafter Kitt sein wird können, darf bezweifelt werden. Ebenso die Frage, ob Bannon in Eigenregie unterwegs ist oder im Auftrag eines wie immer gearteten politisch-weltanschaulichen Generalunternehmens mit Sitz in der Wallstreet und/oder in der City of London.

Interessant ist, dass Bannon im Zusammenhang mit an ihn gerichtete Antisemitismus-Vorwürfe, diesbezüglich unterschiedliche Signale aussendet. Daher verwundert es gar nicht, dass er wie die meisten führenden Rechtspopulisten einen guten Draht zu israelischen Rechtsextremisten hat. Nur politisches Kalkül? Eine „Shakehand“ mit Netanjahu scheint jedenfalls fast schon so wie ein Schutzschild vor bösen Geistern. Der eine oder die andere muss zwar noch für ein gemeinsames Foto mit Netanjahu in der Warteschleife ausharren.

Andere aber, darunter auch Orban und Putin, haben sich bereits vorher mit entsprechender finanzieller und politischer Großzügigkeit die Sympathien eines Teils (des orthodoxen) ihrer jeweiligen jüdischen Gemeinde und damit auch das Vertrauen von Netanjahu erworben. Und soweit es Israel nützt, wird daran auch der an dessen Schicksal besonders interessierte Clan der Clans gewiss ein Auge zudrücken. Wie schon beim Leid der Palästinenser anscheinend auch, womit der Lord aller Lords sogar mit etlichen Rechtspopulisten etwas gemeinsam haben könnte.

Nun stellt sich nicht nur für mich die Frage: sollte dieses geplante und maßgeblich von außen beeinflusste aktuelle europapolitische Unternehmen die einzige Alternative zu den zerstörerischen Umtrieben der etablierten EU-Granden sein und bleiben? Obwohl, bedenkt man wie jüngst ein offensichtlich geistesgestörter deutscher Publizist quasi die Vermischung der Deutschen mit Afrikanern und Orientalen und die Gründung einer neuen Nation empfahl, dann möchte man jedem anderen Vorschlag beinahe schon blind den Vorzug geben. Also in die Bannon-Kutsche einsteigen ohne das endgültige inhaltliche wie strategische Reiseziel derselben zu kennen? Wie nirgendwo wäre Transparenz hier gefragt.

Doch unabhängig davon will und kann ich nicht glauben, dass es nicht noch genügend freiheitsliebende Patrioten auf diesem Kontinent geben sollte, die aus eigener Kraft ihren Staat oder ihr Europa aus den Klauen einer globalistischen Mafia befreien und wieder auf die Beine zu stellen vermöchten. Denn, sich neuerlich abhängig zu machen, sei es von welcher Metropole und welchem Machtzentrum auch immer, ist nur graduell weniger schlimm als sich selbst aufzugeben. Im Übrigen gilt aus meiner Sicht für eine Nation wie für Europa insgesamt nach wie vor das, was der Nationalrevolutionär Ernst Niekisch in bezug auf Deutschland einmal geschrieben hat: „Entweder wir sind ein revolutionäres Volk oder wir werden im Sumpf ersticken und endgültig aufhören, ein freies Volk zu sein“.

Erschienen auf Helmut Muellers Klartext

Bild: Pixabay