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Hauskauf mit Minuszinsen? Was plötzlich alles möglich wird

Wirtschaft
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Ehemalige Krisenländer bekommen heute Kredite geschenkt. In Dänemark bietet eine Bank Hypotheken mit Negativzinsen an. Die Finanzwelt steht Kopf.

Wien – Vor einigen Jahren gab es ein paar simple Gewissheiten im Bankgeschäft. Wer sein Geld auf ein Sparbuch legt, bekommt Zinsen. Wer sich Geld ausleihen will, muss welche zahlen. Auch für Staaten gelten ähnliche Regeln. Länder wie Österreich und Deutschland kamen zu passablen Konditionen an Kredite, mögliche Pleitekandidaten wie Spanien und Portugal mussten horrende Zinsen bezahlen.

Heute ist das völlig anders. Die Finanzwelt steht Kopf. Die wichtigsten Zentralbanken haben die Zinsen auf oder sogar unter null gesenkt, weil sie so hofften, die Wirtschaft anzukurbeln. Aktuell kommt hinzu, dass die Furcht vor einem globalen Abschwung zunimmt. Das treibt das Zinsniveau weiter nach unten – mit außergewöhnlichen Folgen.

1. Wer spart, der zahlt
Dagobert Duck badet stundenlang im Bargeld in seinem Geldspeicher. Wenn auch nur eine Münze fehlt, merkt er es sofort. Seinen Schatz zu bewachen kostet Zeit, bereitet der Comicfigur aber unendlich viel Spaß. Ansonsten wäre sein Verhalten völlig irrational gewesen: Wozu einen teuren Speicher bauen, wenn man das Geld auch zur Bank tragen kann und dort auch noch Zinsen kassiert?

Was seit Ewigkeiten eine Gewissheit war, ist heute keine mehr. Zunehmend müssen Bankkunden für das Privileg, ihr Geld ihrer Hausbank anzuvertrauen, Minuszinsen bezahlen. In Deutschland sind bereits bei zahlreichen Kreditinstituten hohe Privatguthaben betroffen: Über 100 Banken heben Negativzinsen von ihren Sparern ein. Die Entwicklung in der Schweiz verläuft ähnlich. Dort hat vor kurzem die UBS angekündigt, Strafzinsen einzuheben: Wer Guthaben über 500.000 Euro bei der Bank anlegt, muss einmal im Jahr 0,6 Prozent an das Institut zahlen. [...]

In Dänemark ist die Entwicklung noch extremer: Die Jyske Bank wirbt damit, Häuselbauern ein Darlehen über zehn Jahre zu einem Zinssatz von minus 0,5 Prozent zu geben. Technisch läuft das so ab: Wer sich Geld bei Jyske borgt, muss monatlichen zwar Raten zurückzahlen. Doch der Betrag, den der Kunde der Bank schuldet, sinkt Monat für Monat mehr ab, als die Ratenzahlung ausmacht. Dass der Zinssatz negativ ist, bedeutet noch nicht, dass man tatsächlich weniger zurückzahlt, als man sich ausgeborgt hat. Dafür sorgen Gebühren und Spesen.

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