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Drei-Sterne-General Joachim Wundrak - «Ich war entsetzt, dass die deutsche Politik der offenen Grenzen so stumpf weiter betrieben wurde»

TSGT Cary Humphries, USAF - Joachim Wundrak (rechts) mit dem US-Botschafter in Mosambik Dean Curran (links) und Generalmajor der US Air Force Joe Wehrle in Maputo im März 2000

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Der ehemalige deutsche Drei-Sterne-General Joachim Wundrak will für die AfD Oberbürgermeister von Hannover werden. Er wirft der deutschen Bundeskanzlerin eine «antideutsche» Politik vor, die darauf abziele, Deutschland zu «entstaatlichen».

Herr Wundrak, Sie waren sechs Jahre lang Mitglied der CDU. 2014 sind Sie ausgetreten, warum?

Ich habe schon damals gesehen, dass die Migrationspolitik der Bundesregierung völlig aus dem Ruder läuft und dass die Bundespolizei sogar daran gehindert wird, Ordnung zu schaffen.

Was dachten Sie, als ein Jahr später die Flüchtlingskrise ausgebrochen ist?

Ich war entsetzt, dass die deutsche Politik der offenen Grenzen so stumpf weiter betrieben wurde. Aber ich ging damals noch nicht in die AfD. Ich hatte gehofft, dass die Auflösung der Grenzen kein politisches Kalkül war.

Das heisst, Sie unterstellen der Regierung einen bewussten Kontrollverlust?

So weit würde ich nicht gehen: Natürlich wollte sie nicht die Kontrolle verlieren. Aber sie nahm es mit ihrer Politik in Kauf. 2017 sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie erkenne nicht, was sie hätte anders machen sollen. Das heisst, es gab auch rückblickend keine Einsicht bei ihr. Als ich das gehört habe, fasste ich den Entschluss, der AfD beizutreten. Ich habe mir das aber gut überlegt. Denn ich wusste, dass dies mit Risiken verbunden ist.

Welche Risiken?

Wer sich zur AfD bekennt, wird gemobbt und ausgegrenzt. Man gerät ausserdem in den Fokus der Antifa. Aber ich möchte dazu nicht mehr sagen.

Sie haben Ihren AfD-Beitritt von 2018 erst publik gemacht, nachdem Sie im selben Jahr pensioniert worden waren. Warum haben Sie mit der Bekanntgabe zugewartet?

Hätte ich den Beitritt schon vorher öffentlich gemacht, wäre eine reale Arbeit wohl nicht mehr möglich gewesen. Es ging mir darum, meine Mitarbeiter zu schützen und in der Bundeswehr bis zum Schluss ruhig weiterarbeiten zu können. Mit Feigheit hatte das nichts zu tun. Das wäre nicht mein Stil.

Der «Spiegel» schreibt, Ihre AfD-Mitgliedschaft habe unter den Generälen der Bundeswehr für Kopfschütteln gesorgt.

Ich kann das nicht ausschliessen.

Das heisst, die AfD ist beim Führungspersonal der Bundeswehr nicht sonderlich beliebt.

Die AfD löst bei einigen Offizieren sicherlich negative Reaktionen aus. Parteipolitik wird aber aus kameradschaftlichen Gründen nicht besprochen, und das finde ich richtig. Ich war lange auch der Meinung, dass sich Offiziere parteipolitisch nicht binden sollten. Dass ich 2008 trotzdem der CDU beigetreten bin, war dem Linksrutsch in Deutschland geschuldet und letztlich der Ypsilanti-Affäre. Ich hatte das Gefühl, da ein klares Zeichen setzen zu müssen.

Der CDU-Politiker Friedrich Merz sagte unlängst in einem Interview in der «Bild»-Zeitung, seine Partei laufe Gefahr, den Rückhalt bei der Polizei und im Militär zu verlieren. Hat er recht?

Für die Union ist das definitiv ein Problem. Die AfD ist die einzige Partei, die die Bundeswehr uneingeschränkt unterstützt. Die Unterstützung der AfD dürfte in Polizeikreisen aber noch grösser sein als unter den Soldaten.

Warum?

Weil die Kameraden bei der Polizei die Fehlentwicklungen der deutschen Politik auf der Strasse täglich erleben. Sie stehen an der Front.

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