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Schloss Neustrelitz

Schloss Neustrelitz, daneben die Schlosskirche (koloriertes Luftbild, um 1920) Jürgen Haase, Dr. Rajko Lippert & diverse • Public domain

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Das Schloss Neustrelitz, erbaut 1726–1731 als erster Bau der späteren Residenzstadt Neustrelitz, war ab 1731 bis zum Ende der Monarchie Hauptresidenz der regierenden Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz.

Dem Bau einer Siedlung für Hofstaat und Landesverwaltung nahe dem Schloss folgte 1733 ein Aufruf des Herzogs zur Ansiedlung von Neubürgern. Dieses Schriftstück gilt heute als Gründungsurkunde der Stadt Neustrelitz.Das Schloss Neustrelitz wurde mehrfach umgebaut und erweitert, zuletzt 1905 bis 1909. Nach 1918 war das Schloss Sitz des demokratisch gewählten Landtags des Freistaates Mecklenburg-Strelitz. Der Strelitzer Landtag handelte hier die erste demokratische Verfassung eines deutschen Bundesstaates aus.

1945 brannte das Schloss aus; die in Teilen wiederaufbaufähige Ruine wurde 1949 gesprengt und bis 1950 komplett abgetragen. Lediglich Teile der Fundamente und Kelleranlagen blieben bis heute erhalten. Es gibt seit der Deutschen Wiedervereinigung 1990 Bestrebungen für einen Wiederaufbau des Schlosses, der durch mehrere Vereine und Institutionen unterstützt wird.

Hinsichtlich seiner kulturhistorischen Bedeutung war das Neustrelitzer Schloss in Mecklenburg mit den Residenzschlössern Güstrow, Ludwigslust und Schwerin vergleichbar.

Im Neustrelitzer Residenzviertel und innerhalb des Schlossparks blieben verschiedene Gebäude erhalten und wurden seit 1990 umfassend restauriert. Zu den bedeutendsten unter ihnen zählen die Schlosskirche, die Orangerie und der Hebetempel vom Strelitzer Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel, sowie die Parkvilla und der Luisentempel.

Geschichte

Errichtung und AusbauBearbeiten

Neustrelitzer Residenzschloss, Bauzustand im späten 18. Jahrhundert
Schloss Neustrelitz, Lithographie von der Tiedemann Hof Steindruckerei, 1843

Auf dem Pachtgut Glienecke hatte sich Herzog Adolf Friedrich III. von 1709 bis 1711 ein Fachwerkhaus bauen lassen, um es als Jagdschloss zu nutzen.

Nach einem Großbrand des bisherigen Residenzschlosses in Strelitz (1712) lebte die herzogliche Familie zunächst in einer Notunterkunft in der Strelitzer Kanzlei und den Sommerhäusern in Canow und Priepert.

Nachdem die Gemahlin des Herzogs, Dorothea Sophie[1], 1726 Geld von Verwandten aus Holstein beschaffen konnte, ließ sie ohne Wissen des Herzogs mithilfe von Strelitzer Bürgern und Architekt Julius Löwe das Glienecker Jagdschloss zu einem dreigeschossigen massiven barocken Fachwerkbau in Hufeisenform um- und ausbauen.[2][3] Nach der Fertigstellung im Jahre 1731 lud sie ihren Mann zu einer Spazierfahrt ein, die am neuerbauten Schloss vorbeiführte. Auf des Herzogs Frage nach dem Bewohner antwortete sie: „Ewer Liebden sind in Ihrem eigenen Haus.“[2]

Unter den Nachfolgern von Adolf Friedrich III. wurden Schloss und Stadt stetig zu einer barocken Residenz erweitert. Nach 1755 wurden die Außenwände des von Löwe errichteten Fachwerkbaus durch verputzte Steinwände ersetzt.[3] Um 1755 erfolgte unter Herzog Adolf Friedrich IV. die Errichtung der Treppenanlagen nach dem Vorbild von Versailles. Das Schloss war zu dieser Zeit eine typisch barocke, dreiflügelige Anlage mit offenem Ehrenhof. Erstmals beschrieb der englische Reiseschriftsteller Thomas Nugent Schloss und Park in ihrer damaligen Form.[3]

„Es [das Schloss] steht auf einem angenehmen, etwas erhabenen und trockenen Boden, vorne ein Tiergarten und hinten ein großer Garten an einem schönen See gelegen […] An beiden Seiten der Hauptallee sind Grotten und andere kleine Alleen, die zum Teil Irrgärten formieren […]“

Thomas Nugent: Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg. Berlin 1781/82. [Dt. Ausgabe des engl. Originals von 1766/67].[4]

Erweiterungsbauten

Das Schloss Neustrelitz auf einer Postkarte von 1913

Das Schloss wurde bis zu seiner Zerstörung mehrmals umgebaut. 1865 wurde der stadtseitig gelegene Schlossflügel nach Entwürfen von Friedrich August Stüler überformt. Letzte einschneidende Um- und Erweiterungsbauten am Schloss erfolgten von 1905 bis 1909.[5] Dabei wurden an den Westflügel drei weitere Flügelbauten angefügt und so ein geschlossener Hof geschaffen; die Grundfläche des Schlosses wurde dadurch nahezu verdoppelt.

Auch der „Eosandersche Turm“ zwischen Ursprungs- und Erweiterungsbau stammt aus dieser Bauphase. Der neuerbaute Schlossturm neben der Gartenachse an der parkseitigen Baunaht war durch den unter Leitung von Johann Friedrich Eosander von Göthe erbauten Turm des Schlosses Charlottenburg inspiriert. Da der weithin sichtbare Schlossturm sich vom Markt aus gesehen annähernd auf einer Fluchtlinie mit der Schloßstraße befand, gewann er große Bedeutung für die stadträumlichen Blickbeziehungen. Er wurde zum Wahrzeichen der Stadt und für Mecklenburg-Strelitz.

Zerstörung

Ruinen des Neustrelitzer Schlosses (1949)

Unmittelbar vor dem Kriegsende brannte das Schloss in der Nacht vom 29. zum 30. April 1945 ab.

Zu den Brandursachen sind verschiedenste Erinnerungsberichte und Spekulationen in Umlauf. So heißt es beispielsweise „der Brand wurde aus purem Vandalismus gelegt“, oder „das Landratsamt wurde angezündet, weil dort Waffen gelagert hätten“. Augenzeugen wollten beobachtet haben, „daß in den letzten 14 Tagen vor Einmarsch der Roten Armee große Mengen Aktenkisten vom Bahnhof in das Schloß transportiert, örtliche Gespanne dazu verpflichtet [...] wurden. Außerdem seien große Mengen Benzinkanister auf dem Schloßhof gesehen worden. Der Brand des Schlosses habe noch in der Nacht des 29. April kurz nach Abzug der letzten deutschen Truppen begonnen und könnte mit den Aktenverbrennungen im Zusammenhang stehen“.[6] Anderswo heißt es, Leuchtgeschosse deutscher Flugzeuge, die versuchten, anrückende sowjetische Panzer zu bekämpfen, hätten das Dach getroffen und es damit in Brand gesetzt.[7]

Das Feuer war noch in 15 Kilometer Entfernung am Himmel zu sehen. Reste der Ausstattung blieben ungesichert zurück. Damit gingen auch große Teile des in den 1920ern im Schloss entstandenen Mecklenburg-Strelitzschen Landesmuseums verloren, zu dem Sammlungen, Kunstbesitz und Raumausstattungen aus dem Besitz des bis 1918 in Neustrelitz regierenden Fürstenhauses formiert worden waren. Verschiedenartige Stücke wurden durch die Bevölkerung gestohlen, in den Kellerräumen untergebrachte Gegenstände zum Teil aber auch noch sehr viel später verkauft (zum Beispiel die Kutsche für einen Spielfilm der DEFA). Die Steine der Bauruine des Schlosses nutzten die Neustrelitzer und ihre sowjetischen Besatzer für Neubauten und Reparaturen in der Stadt. Die letzten Reste wurden 1949 gesprengt und bis 1950 abgetragen.

Vom Schloss Neustrelitz sind heute oberirdisch keine Spuren mehr vorhanden. An das ehemalige Neustrelitzer Residenzschloss erinnern heute nur noch einige Reste der Keller aus der letzten Bauphase im frühen 20. Jahrhundert. Der ungefähre Grundriss der älteren Flügel ist heute mit weißen Kieselsteinen angedeutet.

Wiederaufbau

 

Die dem Mittelrisaliten des Schlosses nachempfundene Zeltfassade auf der Terrasse der Gartenseite und der Turmbau, ab 2001 für einige Jahre aufgestellt

Seit der Zerstörung 1945 wurden verschiedene Möglichkeiten eines Wiederaufbaus der Neustrelitzer Schlossanlage oder eine andere städtebaulich sinnvolle Neubebauung des stadtbildprägenden Schlossbergs diskutiert. Bislang erreichte jedoch kein Konzept die Ausführungsreife.

Ab 2001 gewährte eine Zeltkonstruktion an der Stelle des Mittelbaus, die im Sommer als Kulisse für Operettenaufführungen diente, einen Eindruck von Dimension und Fernwirkung des einstigen Bauensembles. An der Stelle des Turmes wurde (aus statischen Gründen etwas versetzt) eine diesem in Gestalt und Größe nachempfundene Aussichtsplattform aufgestellt. Allerdings gab es letztendlich für die Zeltkonstruktion und den Turm weder einen verantwortlichen Träger noch weitere Eigentümer- bzw. baurechtliche Genehmigungen, so dass inzwischen eine Demontage erfolgte.

Am 27. August 1998 bildete sich in Neustrelitz der „Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.“, um den Wiederaufbau des Neustrelitzer Schlosses zu befördern. Dies soll vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit, historische Dokumentation und Pflege des kulturellen Erbes rund um den Schlossgarten in Neustrelitz verwirklicht werden.[8] In der Satzung des Vereins heißt es dazu: „Zweck der Tätigkeit des Vereins ist die Förderung von Kunst und Literatur sowie des Denkmalschutzes und des Heimatgedankens, insbesondere die Förderung der Wiederbebauung des Neustrelitzer Schlossberges im historischen Sinne sowie der Erhalt des barocken Gesamtensembles der Residenzstadt.“[9]

Schlosskeller

Erhaltene Schlosskeller mit Gewölbe aus der letzten Bauphase des Schlosses (um 1905)

Im Frühjahr 2013 formulierte der Residenzschlossverein Vorschläge, wonach zunächst die Schlosskeller gesichert und für Besucher erlebbar gemacht werden könnten. Im späteren Verlauf könnten Probestücke der Fassade aufgestellt und Türzargen platziert werden, um die Raumwirkung des Schlosses im Park allmählich wiederherzustellen.[10] Dabei wurden Vorschläge für mögliche Finanzierungsquellen innerhalb eines Besuchskonzeptes gemacht, unter anderem durch Spenden, Eintrittsgelder, eine Regional- und Stadtinfo, öffentliche Toiletten, Souvenir- und Spendeneinrichtungen, Imbiss und Führungen.[11]

Laut ursprünglichen Plänen des Finanzministers von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb (SPD)[12] und des BBL MV[13] sollten die erhaltenen Schlosskeller von Neustrelitz für mindestens 1,2 Millionen Euro zugeschüttet werden. Mehrere Kellerdecken, Gewölbe, sowie erhaltene Säulenpodeste und Fliesen des historischen Kellers würden dabei vernichtet werden. Die Pläne wurden in der Region und unter Denkmalpflegern in Deutschland kontrovers diskutiert und überwiegend abgelehnt. Die renommierte Architekturhistorikerin und Denkmalpflegerin Sabine Bock sprach von einem frevelhaften Vorgehen und der des Schlosses beraubten „amputierten Stadt“ Neustrelitz.[14] Da es sich um ein Denkmal und nicht um ein Bodendenkmal handelt, widerspricht eine solche unumkehrbare Verfüllung den Denkmalpflegegesetzen.[15] Henry Tesch bezeichnete den Plan der irreversiblen Verfüllung als „endgültige Beerdigung des Neustrelitzer Schlosses“.

Am 29. Januar 2018, genau 99 Jahre nach dem Wahlgesetz des Freistaates Mecklenburg-Strelitz und damit der Gründung des ersten deutschen Landesparlamentes in Neustrelitz, fand eine Schlosskonferenz unter Beteiligung von Landes- und Kommunalpolitikern, Fachleuten und Wilhelm von Boddien (Förderverein Berliner Schloss) statt. Die Konferenz unter Schirmherrschaft der Stiftung Mecklenburg sprach sich für den Erhalt und die Nutzbarmachung der Schlosskeller aus, um eine künftige Nutzung des Schlossareals zu ermöglichen. Es soll einen parteiübergreifenden Vorstoß geben, wie der CDU-Landesvorsitzende Vincent Kokert und der Linken-Landesvorsitzende Torsten Koplin betonten.[16][17] Trotz der massiven Kritik hielt das Finanzministerium zunächst an den Plänen für die Zuschüttung der denkmalgeschützten Schlosskeller fest.[18] Die Neustrelitzer Stadtvertreter votierten in einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen[19] gegen die Zuschüttung der Schlosskeller. Die Beräumung der Kellerräume vom Schutt solle unter Schonung der Decken, Wände und Böden durchgeführt werden. Mithilfe der Denkmalpflege soll dann eine Bestandsaufnahme vorgenommen werden.[20]

Als Reaktion auf den großen öffentlichen Druck erklärte Finanzminister Brodkorb im Februar 2018, dass die Zuschüttung der Schlosskeller zunächst nicht vorgenommen werden soll. Die Entfernung der Vegetation über den denkmalgeschützten Kellern wurde durch die Firma „Kajos Baumfällungen und Gartenarbeiten“ aus dem bayerischen Forchheim begonnen. Das weitere Vorgehen wurde zwischen der Stadt Neustrelitz, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege bei einem Treffen im Finanzministerium in Schwerin am 7. März besprochen. Weitere Gespräche folgten.[21][22]

Im November 2018 bot das Land schließlich an, sich mit über vier Millionen Euro an der Sicherung und Begehbarmachung der Schlosskeller sowie mit drei Millionen Euro am Wiederaufbau des Schlossturmes am Originalstandort zu beteiligen. Von der Stadt sind zwei Millionen Euro der Gesamtkosten aus anderen Quellen aufzubringen, etwa durch EU- und Bundesmittel, aus dem Stadthaushalt sowie durch Spenden. Zudem bot das Land an, den Schlossberg und damit die weitere Gestaltungsfreiheit an die Stadt Neustrelitz zu übertragen und auch in der Folge sich finanziell an der Pflege und weiteren baulichen Gestaltung des Areals zu beteiligen.[23] Der Residenzschlossverein und Stadtbild Deutschland e.V. sprechen sich von Anfang an für einen originalgetreuen Wiederaufbau von Schlossteilen aus.[24]

 

Schlosspark

Blick von der ehem. Schlossterrasse auf die barocke Sichtachse
Hirschportal, Tor zwischen ehem. Schloss und Tiergarten
Hauptartikel: Schlosspark Neustrelitz

Der Neustrelitzer Schlosspark, der in seinen Grundzügen bis heute erhalten ist, wurde 1731/1732 nach Fertigstellung des Residenzschlosses von Julius Löwe als Barockgarten angelegt.[25][26] Wie in der Stilepoche des Barock üblich, war die Anlage auf das Schloss ausgerichtet. Nur die barocke Sichtachse blieb vom ehemaligen Barockgarten erhalten. Ein großes von Alleen flankiertes Rasenparterre führt auf der Sichtachse vom Schlossberg zum von Friedrich Wilhelm Buttel als Point de vue in der Mitte des 19. Jhd. anstelle eines Vorgängerbaus errichteten Hebetempel. Die Verengung der Sichtachse in Richtung des Zierker Sees war ein gartenarchitektonisches Stilmittel, um den Barockgarten tiefer und länger erscheinen zu lassen.[25]

Im Laufe der Jahre wurde der Schlosspark immer wieder umgestaltet und zu einer mehrteiligen Parkanlage erweitert. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts folgte die Umgestaltung eines Parkteils nach Ratschlägen von Peter Joseph Lenné im Stil englischer Landschaftsgärten.[27] In diesem als „englischen Garten“ bezeichneten Teil des Schlossparks wurde 1891 zum Gedenken an die preußische Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz der Luisentempel errichtet.[28][29] Dieses Bauwerk, ebenso wie der Hebetempel, eine Reihe von Kopien antiker und klassizistischer Bildwerke – aufgestellt an der ehem. Schlossauffahrt, auf der barocken Sichtachse und beidseitig der Götterallee –, die restaurierte Kopie des Orestessarkophags nahe der Orangerie, der Kinderbrunnen von Albert Wolff und die Kopie der antiken Bronzestatue Betender Knabe im Orangeriegarten, sowie die am östlichen Rand des Parks gelegenen Neustrelitzer Orangerie selbst, zeugen vom Kunstgeschmack des Adels in der Zeit des Klassizismus.[30]  Quelle: Wikipedia