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euro 870758 1280Von Lutz Ackermann, Benedikt Becker, Manuel Daubenberger, Philip Faigle, Karsten Polke-Majewski, Felix Rohrbeck, Christian Salewski und Oliver Schröm, Zeit-Online

Über Jahrzehnte plünderten Banker, Berater und Anwälte den deutschen Staat aus. Niemand verhinderte den Raubzug. Doch dann kam ihnen eine Frau auf die Spur.

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Am 22. Juni 2011 geht im Bonner Bundeszentralamt für Steuern ein Sammelantrag ein. Er bekommt die Nummern 1100000001 bis 1100000025 zugeteilt. Dann landet er auf dem Schreibtisch von Anna Schablonski, im Erdgeschoss eines grauen, fünfstöckigen Zweckbaus mit Regalen voller Leitz-Ordner, auf deren Rücken der Bundesadler prangt.

Schablonski ist damals 30 Jahre alt, groß und schlank, hat braune Augen und einen kinnlangen Bob-Haarschnitt. Gerade einmal ein halbes Jahr macht sie ihren Job. Von komplizierten Börsengeschäften hat sie keine Ahnung. Aber wenn Schablonski etwas seltsam vorkommt, so wie dieser Antrag, dann geht sie der Sache auf den Grund.

...Die Recherche

Wie ist es Banken, Börsenmaklern und Anwälten gelungen, den Staat im wohl größten Steuerbetrug in der Geschichte der Bundesrepublik um Milliarden zu erleichtern? Und warum konnten Politik und Behörden dem Treiben über 25 Jahre lang keinen Einhalt gebieten?

Um diese Frage zu beantworten, hat ein Rechercheteam von ZEIT ONLINE, der ZEIT und dem ARD-Magazin Panorama ein halbes Jahr lang geheime Ermittlungsakten ausgewertet, Transaktionstabellen, E-Mails, Kontoauszüge, Zeichnungsscheine, Durchsuchungsprotokolle und Aufzeichnungen von abgehörten Telefonaten. Reporter reisten an die Orte des Geschehens, in die USA, nach Großbritannien und in die Schweiz, sie sprachen mit Staatsanwälten, Beschuldigten, Geschädigten, Whistleblowern, Wissenschaftlern und einem früheren Finanzminister.

Die Recherche füllt damit eine Lücke: Niemand wusste bisher so detailliert, wie die mutmaßlichen Betrüger vorgingen und warum die Behörden mit ihren Versuchen scheiterten, ihnen das Handwerk zu legen."

Bild: Pixabay

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