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Heute mal ein längerer Beitrag (Lesen lohnt sich - finde ich...) denn wir sind inzwischen derart von Schwachsinn umlullt, dass man vor lauter Wald fast schon keine Bäume mehr sieht...

Die Frage, um die es hier gehen soll lautet: Möchten wir wirklich, dass "Smartphones" hinter dem Rücken ihres Besitzers heimlich irgendwas "lernen"? oder vielleicht etwas präziser: WER kann so hirnamputiert sein, sich sowas zu wünschen?

Datenschutz ist da sowas von retro und harmlos gegenüber den Konturen, die sich im Folgenden abzeichnen- inzwischen muss man wohl schon eher die Parole wählen: WEHRET DEN ANFÄNGEN DES FORTSCHREITENDEN TRANSHUMANISMUS!

Nun denn: Die IFA brachte mal wieder Neuerungen - bei dieser hier läuft es zumindest mir mal eiskalt den Rücken herunter. Huawei stellte seinen brandneuen Spitzenprozessor für Handies vor: den Kirin 970 - der in seinem kommenden Modell MATE 10 verbaut werden soll. Der Knaller dabei: Erstmals wird auf diesem Chip nebst den herkömmlichen Einheiten Zentralprozessor (CPU) und Grafikprozessor (NPU) eine sogenannte NPU-Einheit integriert sein. Huawei proklamiert dies schlicht als KI-Einheit (KI = Künstliche Intelligenz).

Was auf den ersten Blick zu Kalauern einlädt, wie etwa: "Brauchen Handy-Intensiv-Nutzer jetzt schon die Unterstützung künstlicher Intelligenz, weil es mit der natürlichen so arg rapide bergab gegangen ist...?" entpuppt sich bei näherem Hinsehen durchaus als äußerst befremdliche Angelegenheit. NPU steht für Neuronal Processing Unit. Gemeint ist damit ein Prozessor nach neuromorpher Struktur - einer also, der die Funktionsweise von Neuronen nachbilden soll. Dieser Begriff Neuromorph allerdings taucht in den Jubel-Presse-Meldungen natürlich schon nicht mehr auf... 

Ein Grund dafür mag vielleicht in dem liegen, was Wikipedia hierzu schreibt - Zitat:

"...Das Neuromorphing ist eine Methode, um die Funktionsweise von Neuronen nachzubilden. Hierbei werden spezielle elektronische Schaltkreise – basierend auf Neuristoren – entwickelt, da die Nachbildung eines Neurons in Hardware prinzipbedingt schneller arbeitet als die Emulation eines Neurons mittels Software. Dazu verwendet man einen VLSI-Entwurf, um die Neuronen mit Hilfe der CMOS-Technik nachzubilden. Das Ziel des Neuromorphing ist die Simulation und Nachbildung von Sinnesorganen (insbes. die des Menschen) wie dem Innenohr, der Netzhaut des Auges und sogar Teilen des Gehirns. Langfristig soll dies Implantaten ermöglichen, die entsprechenden Organe bzw. Organteile bestmöglich zu ersetzen. Ein weiteres Ziel ist die Erforschung von Anwendungen, die auch die bestehende Computertechnik um neue Lösungen – etwa bei der Muster- und Objekt-Erkennung – ergänzen soll..."

Nun - dies allein mag manch blauäugigem Zeitgenossen sicher immer noch keine Sorgenfalten auf die Stirn zaubern. Nimmt man allerdings hinzu, was ComputerBase hierzu gestern schrieb - sollte sich daran etwas ändern. Dort heißt es - Zitat: "NPU steht für Neural Processing Unit und ist eine eigenständige Recheneinheit einzig und allein für den Bereich künstliche Intelligenz (KI/AI). Die NPU kann für verschiedene Einsatzgebiete verwendet werden. Eines, das Huawei zur IFA ausstellt, ist die Objekterkennung in Bildern und Videos. Die NPU erkennt dabei die dargestellten Objekte und weist ihnen Namen zu, zum Beispiel Auto, Hund, Pizza, Uhr oder Person. Per Big Data und Machine Learning muss eine NPU im Vorfeld trainiert werden, um diese Fähigkeiten zu erhalten. In Verbindung mit einer Cloud-Anbindung kann ein Netzwerk aus zigtausenden in Smartphones verbauten NPUs dieses maschinelle Lernen fortführen, um so die NPU-Fähigkeiten im Laufe der Zeit stetig zu verbessern."

Diese NPU vollzieht ihre speziellen Funktionen mit der vielfachen Geschwindigkeit bei einem Bruchteil des Strom-Bedarfs herkömmlicher Rechnerarchitektur. Doch wichtiger ist: Ist bei herkömmlicher Rechner-Architektur wenigstens strukturell noch nachvollziehbar, was darin vor sich geht, löst sich dies im Falle neuromorphen Struktur weitgehend auf. WO bleibt denn da überhaupt noch ein Rest von Kontrolle des Eigners darüber, was dieses Teil gerade anstellt oder nicht - z.B. wenn das Handy ausgeschaltet ist?

WORIN soll eigentlich der Nutzen dieses Killefits für einen Handy-Eigner liegen, wenn das Teil nach Jahren eifrigsten Cloud-Learnings zusammen mit ungezählten Kollegen dereinst vielleicht mal Dinge "erkennt", die wir heute schon locker aus dem Stand erkennen? Ich KANN da beim besten Willen keinen solchen entdecken...

Aber - ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich jede Menge Nutzen bei Jenen anhäuft, die diese Technologie implementieren und - im Gegensatz zum Nutzer - kontrollieren. Beispielsweise durch Verhökern gesammelter Erkenntnisse in ungezählten Variationen an die drängelnde zahlungskräftige Kundschaft... NSA, Konzerne, usw. Denn hiermit lässt sich eine ungeahnte Vielfalt an Mustern unseres Verhaltens "ausspähen" und überdies auch noch mit denen von anderen vergleichen - alles hinter unserem Rücken und ohne jeden Einfluss durch uns, ohne jede Transparenz versteht sich... Erhellend wird in dem Zusammenhang dann wiederum Wikipedia. Hier ein Zitat zu Neuromorphen Prozessoren: Anwendung: Neuromorphe Prozessoren sind Turing-vollständig und damit universell programmierbar. Sie eignen sich jedoch besonders für Aufgaben in der Mustererkennung und -analyse. Typische Algorithmen dienen dem Aufbau von Convolutional Neural Networks (CNNs), Liquid State Machines (LSMs), Restricted Boltzmann Machines (RBMs) oder Hidden-Markov-Modellen (HMMs), sowie der Looming-Erkennung, der Schätzung von spektralen Leistungsdichten und dem Temporal Pattern Matching.

Vorteile: Neuromorphe Prozessoren unterliegen – im Gegensatz zur Von-Neumann- und der Harvard-Architektur – nicht dem Von-Neumann-Flaschenhals. Sie sind daher besonders gut skalierbar. Da neuromorphe Prozessoren fehlertolerant sind, können neuromorphe Prozessoren mit einer höheren Fehlerquote gefertigt werden. Dies ermöglicht es z. B. größere Prozessoren bei geringerer Ausschuss-Quote zu fertigen. Ein weiterer Vorteil ist der geringere Energieverbrauch, da die einzelnen Neuronen ereignisgesteuert arbeiten und daher nur gelegentlich Energie benötigen.[2] Des Weiteren eignen sie sich zum Ansteuern von neuromimetischen Chips, welche in Gehirn-Computer-Schnittstellen zum Einsatz kommen.

Ich denke, vor allem der letzte Abschnitt sollte hellwach machen - denn all diese schönen Vorteile unterstreichen Eines: sie bieten in engerem Sinne immer noch exakt NULL Nutzen für denjenigen, der diese Technologie aber finanzieren und ungefragt (und natürlich unbezahlt...) auch noch an ihrer Entwicklung mitwirken wird. Für mich jedenfalls ist meine Haltung zu diesem ganzen äußerst befremdlichen Brimborium kristallklar: Die Konzerne können ihre Künstliche Intelligenz in dieser Form behalten. Ich zumindest bin mit meiner eigenen eigentlich ganz zufrieden und Schnittstellen in mein Hirn gibt's nur über meine Leiche...

Mein Hirn gehört allein mir - und meine Gedanken sind und bleiben FREI - gleich wem das missfällt.

Bevor ich je in Erwägung zöge, mir irgendein Gerät mit NPU (oder anderen sogenannten "KI"-Elementen...) zuzulegen - bestehe ich zunächst mal auf einer wirksamen und legitimierten Kontrolle darüber, WAS genau da zu WELCHEM Zweck und zu WESSEN NUTZEN wirklich abgeht...

Ohne das: KEINEN CENT. Wie oder ob die Industrie diese Problematik lösen kann oder nicht, ist mir komplett sch****egal. Ich erwarte Produkte, die mir dienen und nicht solche, die ein Potential bergen, mich und andere Menschen zu versklaven. Huawei MATE 10 ist damit für mich zumindest schon vor seinem Erscheinen GESTORBEN - ich würd's nicht einmal GESCHENKT nehmen.

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