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Getarnt als Praktikant schmuggelte sich ein Neon-Journalist in die Redaktion von RT Deutsch.

Das Ziel des Absolventen der Henri-Nannen-Journalisten-Schule war von Beginn an ein "Enthüllungsbericht" über unsere Arbeit. Dieser ist nun erschienen. Eine Erwiderung.

von RT Deutsch/Florian Hauschild

Ein wenig Getuschel hat es gleich zu Beginn gegeben. David (Name geändert) hatte sich in der RT-Deutsch-Redaktion als neuer Praktikant vorgestellt. Zuvor absolvierte er eigenen Angaben zufolge ein Studium an der renommierten Henri-Nannen-Schule, einer Kaderschmiede für die Zunft deutscher Qualitätsjournalisten, und arbeitete auch schon für Spiegel Online. Es sind Kreise, in denen RT nicht als journalistisches Medium gilt, sondern eher als "Waffe" im "Informationskrieg", als "Werkzeug der hybriden Kriegsführung", als "russische Propaganda" und "vom Kreml gesteuert" sowieso.

Diese Zuschreibungen fallen nicht vom Himmel. Seit dem Auftauchen von RT im deutschen Medienorbit überschlagen sich die Mainstreamerzeugnisse - deren Leserschaft stetig sinkt - mit derartigen Buzz-Wörten und machen damit mehr als deutlich, dass das weltweite Sendernetzwerk mit Ursprung in Russland nicht zum Kreis der Erlauchten gehört. Julian Reichelt, Chefredakteur von "Bild online", verstieg sich kürzlich sogar zu der Forderung, er wollte überprüft wissen, ob die Pressefreiheit in Deutschland für RT überhaupt gilt.

Konnte David sich also wirklich eine Karriere bei RT Deutsch vorstellen, und bereicherte er unsere Redaktion deshalb drei Wochen lang als Praktikant? Oder steckte etwas anderes hinter der Ankunft unseres neuen Kurzzeit-Kollegen, der sich zudem so seltsam distanziert verhielt? Diese Frage stellten sich alle. Aber eben auch die Frage, wie mit derartigen Zweifeln am besten umzugehen sei.

Bei Julian Reichelts CIA-Presse hätte ein Anfangsverdacht in entgegengesetzter Richtung wohl direkt zu Waterboarding des Verdächtigen im redaktionseigenen Folterkeller geführt, doch es gehört auch zu den besonderen Wesenszügen der russischen Seele, Fremden erst einmal mit einer ausgestreckten Hand zu begegnen. Eine Mentalität, die sich auch in der Unternehmenskultur von RT niederschlägt.

Die Ankündung der "Enthüllung" - Unbehagen macht sich breit

Meine russische Kollegin sieht das am Vorabend der großen Veröffentlichung alles weniger romantisch. Per Twitter hat Davids eigentlicher Chef Andreas Petzold, Herausgeber des Stern und auch von dessen Spin-off Neon, bekanntgegeben, dass am nächsten Tag eine große Reportage über RT Deutsch in dem Monatsmagazin erscheinen wird. Einer der Redakteure der Hipster-Postille hatte es doch tatsächlich geschafft, sich für drei Wochen in die Berliner Redaktion von "Putins Propagandasender" einzuschleusen.

Bild: Pixabay

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