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Mi, Jun

Gesellschaft

 

Seit dem Jahr 2000 gibt es in fast allen Bundesländern Gesetze, die die Haltung von sog. Kampfhunden regelt. Anlass war seinerzeit ein tragischer Beißvorfall in Hamburg.

Rückblick: Im Sommer 2000 wurde ein 6-jähriger Junge, der mit seinen Freunden auf einem Schulhof Ball spielte, von einem American Pit Bull Terrier und einem American Staffordshire Terrier angegriffen und tödlich verletzt. Die Hunde gehörten einem mehrfach vorbestraften Migranten, der die Vierbeiner abrichtete, auf andere Hunde hetzte, misshandelte, ihnen Anabolika (ggf. auch Amphetamin und Kokain) verabreichte und zu Hundekämpfen einsetzte. Trotz vielfacher Anzeigen bei Polizei und Ordnungsamt, unternahmn man von Behördenseite nichts, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Am 26. Juni 2000 kam es zur Katastrophe, als die Hunde die Kinder auf dem Schulhof einer Grundschule erblickten, der von ihrem Besitzer als Trainingsgelände und Hundekampf-Arena genutzt wurde, griffen sie ohne Vorwarnung an und töteten einen 6-Jährigen. [1]

 

Anstatt die Hintergründe zu beleuchten, zu fragen aus welcher Haltung die Hunde stammen, das offensichtliche Behördenversagen, welches den Vorfall erst ermöglichte, zu thematisieren, oder ausgewiesene Hunde-Experten zu konsultieren, erließ man im Schnellschuss Hundegesetze, die Hunde und Halter diffamieren und massiv benachteiligen.

Als sog. Kampfhunde werden in erster Linie die Hunde der Rassen American Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier benannt.[2] Neuerdings wird teilw. auch der Miniatur Bullterrier (in Sachsen-Anhalt) [3] und der Olde English Bulldog (in NRW)[4] als "unwiderlegbar gefährlich" angesehen.

Es scheint als ob beim Thema "Kampfhunde" selbst bei kritischen Zeitgenossen das rationale Denken aussetzt, und die Headline (nebst Photoshop-Horrorbild) der Bild-Zeitung schwerer wiegt als die tägliche Begegnung mit dem dauer-schwanzwedelnden Stafford von nebenan.

Zur herbei phantasierten rassespezifischen Gefährlichkeit (ggü.Menschen) der o.g. Rassen ein paar Fakten:

  • es gibt keine validen Daten, die belegen, dass Pitbull/Stafford/Bullterrier häufiger zubeißen bzw. diese Beißvorfälle gravierendere Folgen für die Opfer haben, als andere Hunde
  • die Rasselisten werden vom Verband für das deutsche Hundewesen (VDH), dem Deutschen Tierschutzbund, dem Bundesverband Praktischer Tierärzte als auch der Bundestierärztekammer strikt abgelehnt[5]

  • die bedauerlichen Einzelfälle, in denen einer der "Bullartigen Terrier" in fataler Weise zubiss, waren fast immer durch Hunde verursacht, deren Verhalten durch Misshandlung und vorsätzlichem Scharf-Machen bedingt war, und vor dem Vorfall mehrfach den zuständigen Behörden gemeldet wurden, ohne, dass selbige durchgriffen

  • So gut wie jeder namhafte Kynologe bescheinigt den bewussten Rassen eine natürliche Gutartigkeit dem Menschen gegenüber. Beispiel: O-Ton des Veterinärmediziners und Verhaltensforschers Prof. Hackbarth "der Bullterrier ist einer der freundlichsten Hunde überhaupt" "(...)Er ist ein Hund, der im Vergleich zu anderen so gut wie überhaupt nicht durch aggressives Verhalten auffällt. Er bietet Aggression nicht als Lösungsstrategie an " [6]


Was ist zu tun?
Neben der Aufklärung über die nicht-vorhandene Aggressivität (ggü. Menschen) der Listenhunde, sollte sich jeder Halter eines Bullartigen Terriers der Verantwortung bewusst sein, die er für seinen Hund hat. Jeder einzelne Hund(ehalter) der bewussten Rassen trägt zum Image selbiger bei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine gründliche Erziehung ist Pflicht. Bevor man sich einen Bully oder Staff ins Haus holt, sollte man sich über die jeweilige Rasse gut informieren. Ein AmStaff oder Pitbull tritt von Natur aus jedem Menschen vollkommen friedlich und freundlich gegenüber, anders sieht es aber oftmals aus, wenn man auf einen gleichgeschlechtlichen Artgenossen trifft. Ptibulls sind nicht als Schoßhunde gezüchtet worden, sondern zum Kampf gegen andere Hunde, dementsprechend aggressiv fällt oftmals ihr Verhalten aus, wenn sie auf Vertreter des gleichen Geschlechts treffen, auch englische und amerikanische Staffordterrier reagieren, wenn auch nicht ganz so häufig, auf die gleiche Weise.
Sicherlich, viele Exemplare der Dienst- und Gebrauchshunderassen bzw. kleinerer Hunderassen sind oftmals nicht gerade friedlicher, jedoch stehen Schäferhund und Riesenschnauzer genau so wenig im medialen Kreuzfeuer wie es bei Dackel und Foxterrier der Fall ist.
Neben umfangreichen Vorüberlegungen bzgl. der Anschaffung eines Bullys oder Staffs und gründlicher Erziehung und Sozialisation, ist auch die zwischenmenschliche Komponente ausschlaggebend. Wenn Sie "SoKa"(so genannte Kampfhunde)-Halter sind und auf einen Mitmenschen, der offensichtlich Angst vor ihrem Hund hat oder offen zeigt, dass er ihnen bzw. ihren Hund aufgrund dessen Rasse nicht wohlgesonnen ist, treffen, begegnen Sie ihm zurückhaltend freundlich, ein Lächeln, ein netter Gruß und ein Schritt zur Seite wirken oft sehr gut. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sprechen Sie die Person im ruhigen Ton an, stellen Sie ihren Hund kurz vor, versichern, dass ihr Hund friedlich ist und bieten Sie an, den Hund zu streicheln-so lassen sich viele etwaige Konflikte entspannt lösen.


Zuletzt möchten wir noch auf die potenziellen Nutznießer der "Kampfhunde"-Debatte eingehen.
Es sind die Vertreter der etablierten Parteien, die anstatt sich mit den wirklich Missständen im Land zu beschäftigen, mediales Schattenboxen betreiben. Soziale Verelendung, Flüchtlingskrise, Umweltverschmutzung-all dies rückt in den Hintergrund, wenn man sich larmoyant über die vermeintliche Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen echauffiert, vor denen die Bevölkerung, allem voran die Kinder, endlich geschützt werden müssen. Außerdem lässt sich so das in der Politik beliebte Teile-und-herrsche-Spiel spielen. Rücksichtslose Hundehalter vs arme, schutzlose Bürger oder anders herum, verantwortungsbewusste Halter von friedlichen Hunden vs hysterische Heulbojen und Betroffenheitsbeauftragte. Dieser Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden. Spielen wir dieses miese Spiel nicht mit, reagieren wir sachlich und mit Verständnis, wenn wir auf einen Meinungsgegner in der "Kampfhunde"-Frage treffen.
Nur so haben wir die Chance zu einem friedlichen und auskömmlichen Miteinander zu finden!

[1]http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2000/erste7372.html

[2]https://de.wikipedia.org/wiki/Rasseliste#Rasselisten_in_Deutschland

[3]https://kampfschmuser.de/t/mbt-wird-listenhund-in-sachsen-anhalt.121693/

[4]https://www.kanzlei-sbeaucamp.de/old-english-bulldog-einstufung-als-listenhund/

[5]https://de.wikipedia.org/wiki/Rasseliste#Kritik

[6]http://in-sachen-hund.de/wp-content/uploads/2013/09/Hackbarth-Prof_Interview_Gebrauchshund_Abschr_2005-02.pdf

 

 

 

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