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Bertolt Brecht_Bundesarchiv, Bild 183-W0409-300 / Kolbe, Jörg / CC-BY-SA 3.0

Feuilleton

Während unseres Morgenspaziergangs im Tiergarten erfuhr ich von meinem Sohn, dass er in seiner Freizeit „Tod in Venedig" von Thomas Mann gelesen hatte. ,Für einen 15jährigen etwas früh, sich mit Altern und Sterben zu beschäftigen', dachte ich. Doch als er mir von seinen Erkenntnissen und Einsichten erzählte, erinnerte er mich gleichzeitig daran, welche Bedeutung die Begegnung mit großer Literatur haben kann. „Das könntet ihr doch in Deutsch lesen!" „Ha", rief er, „weißt du, was wir lesen? ,Galilei' von Brecht!" „Was ist denn so schlimm daran?", fragte ich. „Du kannst den Schwachsinn ja mal lesen, dann weißt du es", schlug er vor.

Hierzulande gilt das Grundgesetz als das Allerheiligste, welches auch gerne als die Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland bezeichnet wird. Man bekommt oft feuchte Augen beim Lesen dieser Schönschrift aus dem Nachlass der alliierten Siegermächte, manchmal vor Rührung und wenn man nicht aufpasst vor Totlachen, siehe Präambel. Willy Brandt wählte seinerzeit die folgende Formulierung: "Dieses Grundgesetz haben uns die Amerikaner, um es vorsichtig zu sagen, anempfohlen. Man könnte auch sagen, auferlegt."

In einem gestrigen Telefonat erzählte mir ein Kollege von einem zwölfjährigen Jungen, der seinen Vater die Tage angezeigt hatte. Später sendete mein Kollege noch ein PDF mit dem Titel „Das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung gemäß § 1631 BGB Abs. 2“. Daraus zunächst ein Auszug aus der Einleitung vom Verfasser Jörg Edinger: „Die besorgniserregende Zunahme der Kinder- und Jugendkriminalität war Dauerthema in den Medien. … …neu auftretenden Gewaltexzessen der Kinder und Jugendlichen… …die Politik nahm sich dem Thema an… …Hauptdiskussionspunkt im Wahlkampf. Kinder und Jugendliche, die ihre Mitschüler quälen… …zog das Interesse der Öffentlichkeit auf sich.